ICH positioniere mich ! (aus Gründen)

Sterben – amputieren – oder Verletzungen (noch) heilbar ?

Für mich ist das #Bombergate ein Steinchen aus einer ganzen Reihe von Provokationen, die sich auch um die „Antifa-Problematik“ drehen.
Aber was machen wir jetzt daraus?
Wir versuchen, nach der üblichen, mir aber schon immer unverständlichen, Piraten Methodik Probleme mit noch mehr Arbeit und Engagement zuzudecken.

Es ist aber jedem Menschen mit etwas Erfahrung in Gruppendynamik klar, dass dies immer nur bis zu einem bestimmten Punkt gut gehen kann. Am Wochenden benötigte es nur einen Tropfen um das Fass zum überlaufen zu bringen. Mit einem Vorfall, der für sich allen genommen vielleicht nur ein paar Tweets wert gewesen wäre. Aber wie gesagt, für einige war es (leider) der letzte Tropfen, und wie man hört für viele der vorletzte Tropfen. Und wenn wir keine Lösung suchen und finden, wird es immer wieder „unbedeutende“ Vorfälle geben die für einige der letzten Tropfen sind.

Für mich hat mittlerweile dies bewusste Verdrängen von Problemen schon einen Anflug von Überheblichkeit.
Und ich bin mir nicht mehr sicher, wer der Partei mehr schadet. Die Piraten die durch ihre Provokationen ein vorhersehbares Gate und den Shitstorm auslösen, oder die Piraten die ALLES mit „lass uns einfach weitermachen wie bisher“ in Verbindung mit „ist ja alles nicht so schlimm“ bagatellisieren und notwendige Diskussion und Stellungnahmen damit bewusst unterdrücken.

Wobei mir schon klar ist, dass es die zweite Gruppe auf jeden Fall gut meint, ob sie es aber gut macht, dies beantworte ich für mich mittlerweile mit einem klaren NEIN !
Ich lasse mir hier auch keine Eskalation vorwerfen, während „die anderen“ doch nur Deeskalieren wollen.
„Augen zu und durch“ hat der Partei bisher nicht geholfen. Im Gegenteil – In der Wählergunst haben wir von Umfrage zu Umfrage verloren, zur Zeit ist es sogar ungewiss ob wir uns auf dem Stammwähler-Stand von 2,5% gehalten haben, da wir als Einzelpartei nicht mehr aufgeführt werden.
Ja, viele Piraten halten von diesen Umfrage nichts, dies wurde mir schon vor der BTW vorgerechnet – Piraten nutzen Handy, werden nicht gefragt, haben eine „andere“ Wählerschaft die nicht gefragt wird,usw – Nur ist diese Rechnung nicht aufgegangen, tatsächlich lag das End-Ergebnis sogar unter den pessimistischen Hochrechnungen. Und von den „selbstgemachten“ Motivationsumfragen sind wir meilenweit entfernt.

Haben wir uns aber gefragt warum dies so ist ? Nein, alternativloser Aktionismus mit „Es sind doch bald Wahlen“ hat wieder einmal die Überhand gewonnen.
Nur leider sind immer „irgendwo und irgendwann“ Wahlen. Dies führt dazu, dass Richtungsstreits und Schwelbrände in der Partei nie ordentlich aufgearbeitet werden.
Diese Aufarbeitung wird nicht ohne „Schmerzen“ abgehen, aber manchmal muss man auch krankes Gewebe „operieren“ um den Rest des Körpers zu erhalten. Je länger man wartet, desto mehr muss weggeschnitten werden. Wohin eine gar nicht behandelte Krankheit führt, dies möchte ich mir gerade nicht ausmalen.
Zur Zeit stehen wir an der Grenze zwischen „ Das Geschwür schnellstens behandeln könnte noch ausreichen“ oder „Wir müssen leider mit ungewissem Ausgang operieren“.

Natürlich, wir werden bestimmt mit viel Einsatz vor Ort in einige Kommunen einziehen. Und ja, durch gute Arbeit werden sich einzelne Piraten einen positiven Namen machen. Aber auf die Landes- und Bundespolitik wird dies wenig Einfluss haben. Dies haben die „freien Wähler“ bei der Bundestagswahl aufgezeigt. Obwohl in vielen Kommunen durchaus anerkannt und oft zweistellige Ergebnisse aufweisend, lagen sie bei der BTW weit hinter der Piratenpartei.

Meine Meinung:
Wenn wir es nicht möglichst schnell schaffen die Ziele und Visionen der PP wieder in den Vordergrund zu bringen, dann werden wir für die nächsten Jahre in der Versenkung verschwinden. Ob wir überhaupt in dieser Struktur wieder auftauchen wage ich dann sogar zu bezweifeln.

Richtungsentscheidungen und Positionierungen müssen durch klare Statements unterstrichen und gelebt werden. Da ist für mich persönlich für die „Antifa-Provokationen“ und den „wir wollen uns nicht – wie auch immer – positionieren“ kein Raum in der Partei. Raum wird für die Piraten sein, die sich lauten, aber konstruktiven Diskussionen stellen, und nicht für die, die alles schönreden und den anderen die Shitstorms in die Schuhe schieben.

Ich bin mir aber durchaus bewusst, dass es dies nicht die Mehrheitsmeinung in der Partei sein muss, aber dies ist mein persönliches Problem welches ich dann nur für mich lösen werde.
Viele engagierte Piraten verlassen zur Zeit die Partei weil sie glauben wir werden es in der nächsten Zeit nicht schaffen diese Diskussionen zielgerichtet zu führen, zumal dies auch von einigen „Piraten“ wie geschrieben nicht gewünscht wird. Und da hier unser BuVo auch immer mehr durch „Geschwurbel“ an Glanz verliert, muss die Basis handeln.

Ich auf jeden Fall werde mich jetzt klar positionieren, auch mit den sich für mich daraus ergebenden Konsequenzen. Ich will und werde mich nicht weiter in einer Partei engagieren, die Gewalt als Lösung zumindest billigend in Kauf nimmt. Ich will mich nicht weiter in einer Partei engagieren, in der einige aus ihrem Ego-Trip heraus eine Provokation nach der anderen lostreten. Dies hat bei mit dazu geführt, dass ich mittlerweile dagegen kämpfen werde, wenn der Name „Antifa“ mit der Piratenpartei in Zusammenhang gebracht wird. Ich bin Antifaschist, gehe auf Demos gegen Rechts, kämpfe gegen Menschenrechtsverletzungen, aber lasse mich nicht mit Aktionen in Zusammenhang bringen, auf die ich keinen Einfluss habe.

Zum Programm: Ob es einigen passt oder nicht, das vorhandene Programm der PP ist nun mal ganz klar sozialliberal ausgerichtet und dies finde ich auch gut so. Und wahrscheinlich auch sehr viele andere, sonst gäbe es dies Programm ja nicht.
Ja, der Begriff „Sozialliberal“ wurde in der deutschen Parteienlandschaft mit Füßen getreten und ist teilweise auch negativ besetzt. Aber an seiner eigentlichen Bedeutung hat dies nichts geändert. Und wir brauchen diesen Begriff nicht mehr mit Leben zu füllen, dies haben wir mit unserem – mir viel zu großen – Programm schon längst getan. Klar können und müssen wir diskutieren, aber diese Diskussion sollte zu einem Ergebnis führen, und nicht wieder im Sande verlaufen.

Ich denke alle Piraten werden sich fragen müssen, ob und wie sie sich positionieren wollen. Dies kann und wird eventuell zu einer Spaltung führen, aber immer noch besser als ein weiteres qualvolles Sterben der Gesamtpartei.

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