…oder, warum die – und nicht wir?
Die Česká pirátská strana hat es am vergangenen Wochenende geschafft, bei den Wahlen drittstärkste Kraft zu werden. Dazu Herzlichen Glückwunsch.
Gleichzeitig zur Wahl in Tschechien hielten die Piraten in Deutschland ihren Bundesparteitag in Regensburg ab. Die Meldungen aus Tschechien wurden dort natürlich mit Beifall aufgenommen.
10,79% – ein Zuwachs von 8,13% und 22 Sitze im Abgeordnetenhaus sind natürlich eine ganz andere Hausnummer als 0,37% in Deutschland.
Deshalb hörte ich neben dem Beifall auch hier und da Stimmen die fragten: „Warum die – und nicht wir?
Und natürlich oft auch gleich die Antworten dazu – Programm und deren gute Verwaltung.
Nun ja, Personen die eine Stunde nach der Wahl sagen können warum es bei den Piraten gute oder schlechte Ergebnisse gibt sind in der Partei keine Seltenheit.
Denn die haben das „Bauchgefühl“!
Ich habe deshalb mal versucht den tschechischen Wahlkampf zu untersuchen.
Zu erst einmal gab es 4 Hauptpunkte mit den die Piraten in Tschechien in den Wahlkampf gezogen sind.
Und dies waren keine Themen wie beispielsweise BGE, ÖPNV oder Pflege, sondern es ging mehr um das „andere Betriebssystem“.
Hier mal Zusammengefasst:
1 – Machtkontrolle der Politiker, Verwaltung der öffentlichen Gelder, Korruption.
2 – Vereinfachung von Verwaltung durch neue Technologien, jede Verwaltung muss online erreichbar sein, Helpdesk und Call-Center um dem Bürger Verwaltung zu erleichtern, Kontrolle der Daten
3 – Schutz der Bürger durch „Mobbing“ durch den Staat. Kleinen Händlern, auch Online mehr Schutz und Rechte gewähren. Motto: Wenn jährlich hunderte von Milliarden Gewinn vom Großkapital in Steueroasen abfließen darf der kleine Mann nicht dadurch leiden.
4 – Verteidigung der Freiheit – Freier Zugang der Bürger zu Informationen und Meinungsfreiheit sowie das Recht auf Privatsphäre.Unterstützung der Demokratie durch die Beteiligung der Menschen an Entscheidungsprozessen.Kampf gegen gegen Zensur, Beschränkung der Freiheit und die Unterdrückung der Menschenrechte.
Dies das Hauptprogramm der tschechischen Piraten.
Dazu kamen 15 Themenpunkte, die Erklärung dazu immer nur 1 Seite in klaren Punkten.
Dann der Wahlkampf selbst.
Die Piraten haben sich als Politiker dargestellt, die bereit sind ohne Korruption, ohne Lobbyismus, ohne Skandale und mit wenig Bürokratie für den Bürger einzustehen.
Sie wollen die Freiheit schützen, besonders die Meinungsfreiheit im Internet.
Wer tschechische Piraten wählt, wählt Politiker mit neuen Ideen die keine Angst davor haben die Wahrheit zu sagen.
Im Wahlkampf sind die Piraten mit 1200 Werbebanner auf privaten (!) Häusern, Zäunen und Autos aufgefallen.
Sie haben 750.000 Wahlflyer verteilt.
Besonders aufgefallen sind mehr als 17.000 Facebookprofile mit dem Thema des Piratenwahlkampfes.
Wahlberechtigte gab es in Tschechien ca. 8,4 Millionen.
Soviel mal zu den Fakten (hauptsächlich aus Wikipedia und der HP der tschechischen Piraten).
Warum also nicht wir? – Im Vergleich mit Tschechien.
Dazu braucht man sich nur den angenommenen Antrag SO007 (Lizenz zum töten) vom BPT 17.2 anschauen.
Anstatt Politik zu machen, sollen/müssen? wir uns mit Fragen beschäftigen die mit Politik, nicht nur im Sinne der tschechischen Piraten, wenig zu tun haben.
Und deren Auswertung, bei dem vorgestellten Satz und den vorgegebenen Antworten, sowie den Sanktionen, unsere Schiedsgerichte bestimmt gut beschäftigen wird.
Und im Wahlkampf?
Bei den Piraten in D wird ja immer noch darüber gestritten ob wir Facebook überhaupt einsetzen wollen, anstatt auf tausenden von Seiten die Vorteile von uns zu beschreiben.
Hatten eigentlich alle unsere Spitzen- und Direktkandidaten eine Facebookseite?
Und auf wie vielen privaten Balkonen oder PKW haben wir großflächige Werbung gesehen?
Wir haben lieber darüber gestritten ob wir Lila nehmen dürfen, oder ob Piraten auf den Plakaten auch groß genug geschrieben ist – bis hin zur Wahlkampfverweigerung.
Und Flyer? Um prozentual ähnlich Tschechien zu flyern, hätten wir über 5 Mio verteilen müssen. Wie viele waren es bei uns?
Webseite: Elias hat zusammen mit Xwolf versucht unsere Webseite ähnlich strukturiert wie in Tschechien aufzubauen, nur hat allein die „Energiepolitik“, oder „Bauen und Verkehr“ allein fast so viel Inhalt wie das gesamte tschechische Programm.
Und von einem im weitesten Sinne „neuen Betriebssystem“ sieht man wenig Konkretes.
Ja, wir müssen Grundsatzfragen klären, aber so wie wir es in Regensburg beschlossen haben, wird es schwierig den Untergang der Piraten in D aufzuhalten.
Und ein Vorstand der aus mehr verwaltenden als politischen Personen besteht, muss bei allen guten Vorsätzen und Vorhaben aufpassen, den Begriff „politische Partei“ nicht aus den Augen zu verlieren.
Ich denke bis zur Marina Kassel im Januar sollten wir versuchen hier – auch aus den Landesverbänden heraus – ein paar Weichen zu stellen.
Ohne jetzt zuviel Wasser in den Wein giessen zu wollen:
Das war jetzt der erste Einzug?
OB die „Die Piraten haben sich als Politiker dargestellt, die bereit sind ohne Korruption, ohne Lobbyismus, ohne Skandale und mit wenig Bürokratie für den Bürger einzustehen.“ das durchhalten werden wir sehen und bei der nächsten Wahl wird sich zeigen was das wert war.
„Ich denke bis zur Marina Kassel im Januar sollten wir versuchen hier – auch aus den Landesverbänden heraus – ein paar Weichen zu stellen.“
Dann mal los!
Die erste Weichenstellung wird die Mittelverteilung für 2018 sein. Die sollte sich danach richten was an politischer Arbeit damit möglich gemacht wird.
PS.: Wie war es beim Paintball?
War nicht beim Paintball…
Habe „Socializing“ betrieben. 😉
… da mag jemand H3rmis Antrag nicht. 😉
Der Vergleich mit den Tschechen hinkt vor allem deshalb, weil die Tschechen vorne sind. Die Piraten.de haben seit 2013 beginnend das „Vorne“ geopfert. Es war ihnen zu anstrengend vorne zu sein. Außerdem hat die Parteiführung die Gefahr der Partei Unterwanderung falsch eingeschätzt. So konnten die destruktiven Kräfte besonders erfolgreich wirken.
Nur ein erstklassiger Chef kann sich erstklassige Mitarbeiter leisten.
„Vorne sein“, – dies ist als Analyse fast so gut wie „Bauchgefühl“…
Hat dies auf toni-rotter.de rebloggt und kommentierte:
Das hat unser Wahlkampfkoordinator ganz gut zusammen gefasst …
Es wäre natürlich gut wenn jemand berichten könnte, der den Wahlkampf in Deutschland und Tschenien mitgemacht hat und beide Landessprachen spricht. Das kann ich leider nicht.
Daran dass Piraten eher gewählt werden wenn dei Wähler andere Partei für korrupt halten, könnte was dran sein. Bei einem Wahlkreis bei dem die Piraten mal überduchschnittlich gut abgeschnitten hatten, hatte ich auch den Verdacht, dass dort solche loaken Gegegbenheiten mitgeholfen haben.
Wenn ich https://wiki.piratenpartei.de/Piratenpartei_Tschechien betrachte sehe ich, dass dort nichts von einem BGE steht.
Es ist ja nicht nur das BGE alleine sonden auch wer im Nachgang zur BGE-Entscheidung in DE alles gegangen und wer alles gekommen ist. Der Durschnittswähler hat – sowohl positive als auch negative – Erinnerungen doch mehr an Ex-Piraten als aktive.
Um eine aktive Onlinepräsenz zu haben müssen Kandidaten auch Zeit haben. Schon als die Piraten noch viele Mitglieder hatten, war es selbst in Wahlkreisen in denen es angeblich genug Parteimitglieder gibt um von denen alleine genügen Unterstützungsunterschrigten zu bekommen viel Arbeit das zu schaffen. Auch im Wahlkampf gab es kaum Unterstützung. Das kostet den Kandidaten Zeit, die sie besser für Aktivitäten – wo auch immer – die tatsächlich nur die Kandidaten leisten können.