„Das Netz“ wetzt die Messer, oder bin ich schon immer Teil des Mobs?

 

Ich gehöre seit Jahrzehnten zum „Mob“ und betreibe „Hexenjagd“!
Natürlich nicht zu dem Mob, wie ich ihn definiere, aber es gibt  für Mob auch andere als meine Definitionen. Wobei wir hier schon bei Art. 5 unseres Grundgesetzes (->) sind und ich diese Meinungen toleriere und deshalb dort auch zum Mob gehöre oder „Hexen jage“.

Mob bin ich, weil ich seit Jahren indirekt und direkt, oft massiv, „Druck“ ausübe, wenn mir „Dinge“ nicht gefallen. Ich versuche zum Beispiel keine Nestle Produkte zu kaufen.
Ich habe vor Jahren offen gesagt und öffentlich dafür demonstriert, dass ich keine Textilien kaufe, wenn ich weiß, dass sie durch Ausbeutung von Kinderarbeit hergestellt werden.
Und ich habe öfter offen und lautstark gegen TTIP, CETA und TISA demonstriert.
Und jetzt ganz schlimm – Ich bin vor Urzeiten aus der FDP ausgetreten!
Und dies, weil der „Kurs“ der FDP immer weniger mit meiner Meinung einer sozialen und freien Gesellschaft vereinbar war. Und irgendwann gab es ein „Ereignis“, welches „das Fass“ für mich zum überlaufen gebracht hat und ich der FDP den Rücken gekehrt habe. Übrigens könnte ich dies „Ereignis“ heute nicht mal mehr genau benennen.

So ist es eben oft im Leben –irgendwann reicht es- und es wird gehandelt.  Wenigstens von Menschen die (mit)denken.
Und um was geht es heute? Klar, um Tichy und Xing und „der Druck“ aus dem Netz.

Und wegen meines oben beschriebenen Verhaltens kann ich jeden verstehen, der Xing wegen Tichy den Rücken kehrt. Und dass dadurch Herr Tichy seinen Hut genommen hat, ist wahrscheinlich eine Folge des Drucks. Auch wenn er sich nun in einer Opferrolle sieht und von anderen dort hingestellt wird. Er wäre dumm, wenn er dies nicht für sich nutzen würde. Und dumm ist er nicht! Er freut sich bestimmt auch über die Unterstützung im Namens des GG.

Aber es war eben nicht diese „eine Geschichte“ die dazu geführt hat, sondern diese eine Geschichte hat für viele bei Xing das Fass zum überlaufen gebracht. Und da ist es völlig egal, ob dieser Post zurückgezogen wurde. (Wobei ich dies „zurückziehen“ persönlich sehr schade finde, zeigte er doch welches „Gedankengut“ dort vertreten wird – Aber auch hier hat Druck ge-und  bewirkt.)
Bei Xing hätte dann das Fass wahrscheinlich einer der nächsten Artikel zum Überlaufen gebracht.
Dies freut mich, zeigt es mir doch, dass es noch Menschen gibt die mitdenken und ihre Meinung vertreten, ohne Angst zu haben in „irgendeinen“ Topf geschmissen zu werden.
Denn leider tummeln sich in (fast) jedem Topf seit Urzeiten auch immer ein paar Personen, die weit über das Ziel hinausschießen. Auch vor Jahren schon wurden gegen die Manager von „H&M“ oder „Benetton“ (Mord-)Drohungen ausgestoßen, oder gegen Journalisten, oder gegen Politiker. Ich möchte nicht wissen was Willy Brandt 1970 nach seinem „Kniefall“ alles zu hören und zu lesen bekam. Und da gab es noch kein Netz.
Aber zum Glück gab und gibt es dafür Strafverfolgung und einen Paragrafen ( § 241 Abs. 1StGB). Und diesen sollten wir jetzt im Netz nutzen, wie auch seit Jahren schon ohne Netz.
Mir wurde auch schon mal massiv gedroht, als ich in der Nähe von Dannenberg Atomkraftgegnern eine Wiese zum Zelten zur Verfügung gestellt habe.  Da war ich sogar etwas stolz auf diese, meist telefonischen „Drohungen“ = positive Opferrolle. Ich habe auf Anzeigen verzichtet, hätte es aber jederzeit machen können.

Denn nur weil diese Idioten jetzt ebenfalls meiner Meinung sind, soll ich diese ändern, oder besser nicht laut sagen?
Nein, ich freue mich lieber darüber, dass die Fabriken „Hennes & Mauritz“ reagiert und ihre soziale Verantwortung in einem freiwilligen Verhaltenskodex geändert haben. Kinderarbeit hat somit wenigstens auf den Philippinen ein Ende gefunden. Auch dort war ich ein Tropfen von vielen.
Und ich habe mich gefreut dass bei den Freihandelsabkommen durch meinen „Druck“ vieles transparenter wurde. Ich der Tropfen!
Oder dass die FDP aus dem Bundestag geflogen ist, weil ihre Politik immer weniger Menschen wollten. Auch da war ich ein Tropfen von vielen.
Und dass ich (fast) keine Chance habe an Nestle-Produkten vorbei zu kommen ärgert mich immer noch.
Aber ich hoffe weiter, dass auch dort letztendlich viele  „Tropfen“  zum Erfolg führen werden.

Und wenn jetzt Herr Tichy auf Grund seiner rechten Ansichten bei Xing gegangen wurde (?), dann ist jeder Mensch daran schuld der dies gefordert hat. Ich hoffe diese können jetzt als Mob und Hexenjäger trotzdem ruhig schlafen. Ich könnte es.
Seinen Blog darf und kann er weiter schreiben. Dafür haben wir ja Artikel 5 im GG. Und dies ist gut so.
Und bei einer Kündigung hätte er klagen können. Auch dafür gibt es Gesetze die dann den Sachverhalt geklärt hätten.

Ja, das Netz bringt viele Dinge (über)deutlich zum Vorschein, die leider schon immer vorhanden waren, aber von vielen nicht gesehen wurden, oder nicht gesehen werden wollten.
Und genau deshalb gibt es Gesetze die seit Jahren bestehen und angewandt werden. Und genau diese gelten auch für das Netz – da benötigen wir keine Neuen. Und Drohungen waren schon immer Mist, ob mit oder ohne Netz.
Und auch ein einzelner Tropfen erzeugt Druck – dessen sollte man sich bewusst sein, oder es besser lassen.
Ich lasse es nicht!

Und da ich wie gesagt Art.5 GG wichtig finde, hier zur „Tichy-Xing-Thematik“ noch einige andere Meinungen die ich nicht alle teile, aber sehr wohl toleriere:

Update:
Wegen der Nachfragen. Für mich sind diese „Vorgehensweisen“ aus Druck, öffentliche Denunzierung, Drohungen eben keine Erfindung der „sozial Media Generation“. Sozial Media ist nur ein in der Vergangenheit in diesem Umfang nicht dagewesener Multiplikator.
Gleiche Äußerungen gab es früher auch, z.B. auf Stammtischen, auf Demos, in Flugblättern, in Firmenkantinen, in Bauwagen, in Leserbriefen.
Was sich geändert hat, ist das Auffinden von „Gleichgesinnten“ durch einen Mausklick.
Und genau wie früher (und heute) auf Demos, wenn ich mich unter Gleichgesinnten fühle, werden die Stimmen lauter und die Sprüche und Forderungen drastischer.